Praxisbericht “Gesund führen – sich und andere!” mit Anita Hampel bei der cse Essen

veröffentlicht in: Führung + Gesundheit

Gesund führen – sich und andere!

Nach dem bewährten Konzept „do care!“ von Dr. A. K. Matyssek

bei der cse in Essen im Bereich Gesundheit und Pflege im Sommer 2020

 

Im Gespräch über die Veranstaltungen zu gesundheitsgerechter Mitarbeitenden-Führung sind:

* Tanja Rutkowski (links im Bild), Prokuristin und Fachbereichsleitung bei der cse – Caritas, Sozialdienst katholischer Frauen in Essen. Zur ihrem Fachbereich Gesundheit und Pflege gehören die stationäre, teilstationäre und ambulante Pflege und Betreuung, ambulante und stationäre Hospizarbeit sowie das Kinder-Palliativ-Netzwerk. (Anmerkung: Frau Rutkowski ist Diplom Pädagogin und unter anderem auch systemische Familientherapeutin)

* Anita Hampel (rechts im Bild), zertifizierte „Gesund führen!“ Trainerin, Expertin für Stresskompetenz und zertifizierter Coach

 

Wie sind Sie, Frau Rutkowski, auf Frau Hampel aufmerksam geworden? Was hat Sie veranlasst, Frau Hampel für Ihre Führungskräfte-Trainings zu engagieren?

T.R.: Ich kenne Frau Hampel seit vielen Jahren als Coach, habe sie oft für persönliche Coachings gebucht. Diese Zusammenarbeit habe ich immer als sehr hilfreich und professionell erlebt. Als ich erfuhr, dass Frau Hampel auch Seminare zum Thema „gesundheitsgerechtes Führen“ gibt, habe ich die Chance genutzt, um Sie für mich und meine Teams zu engagieren.

 

Sie haben sich mit Frau Hampel als Trainerin ja auch gleichzeitig für das bewährte Konzept „Gesund führen – sich und andere!“ nach dem „do care!“ Konzept entschieden. Warum haben Sie genau dieses Format, diesen Ansatz für Ihr Unternehmen gewählt?

T.R.: Sie müssen wissen, die cse ist Mitte 2018 eine gGmbH der Gesellschafter Caritasverband für die Stadt Essen und Sozialdienst katholischer Frauen Essen-Mitte (SkF). Ein Großteil der Einrichtungen des Caritasverbandes sowie des SkF wurden dabei in die cse überführt, ebenso die gesamten Caritas Sozialstationen Ruhr. Das ist ein enormer Prozess, der immer noch viel Kraft erfordert. Es ging und geht dabei auch darum, die bestehenden, unterschiedlichen Bedingungen und Arbeitsweisen zusammen zu führen und zu harmonisieren.

Aktuell sind wir dabei, einen Leitbildprozess abzuschließen und haben mit unserem neuen Führungsleitbild einen wichtigen Schritt vorwärts gemacht. Dieses Führungsleitbild, das wir in den nächsten Wochen in den gesamten cse Ebenen verabschieden werden, passt einfach sehr, sehr gut zu dem Ansatz „Gesund führen – sich und andere!“ von Frau Dr. Matyssek. Oder andersrum: Das Konzept bedient unser neues Leitbild optimal, indem es konkrete, umsetzbare Haltungen und Herangehensweisen aufzeigt.

 

Frau Hampel, wie gestaltete sich die Vorbereitung auf die Seminare innerhalb dieses komplexen Gefüges?

A.H.: Mit Frau Rutkowski habe ich im Vorfeld ausführliche Gespräche geführt. Für mich war das „Briefing“ bezüglich der besonderen Herausforderungen und Problemlagen dieser Führungskräfte sehr wichtig. Im Pflegebereich geht es ja beim Thema gesundheitsgerechtes Führen um mehr als Erhalt von Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten, es geht auch darum, die Mitarbeiter*innen langfristig im Team zu halten. In diesem Arbeitsbereich herrscht eine extrem hohe Personalfluktuation und das Ringen um die Pflegekräfte auf dem Arbeitsmarkt ist enorm. „Gesund führen!“ ist daher auch unter dem Aspekt der „Arbeitgeber-Attraktivität“ langfristig ein echter Gewinn für diese Branche. In Teams, in denen sich die Mitarbeiter wohl fühlen, in denen ein gutes Klima herrscht und die Leitung sich kümmert (im besten „do care“ Sinne) wollen Mitarbeitende bleiben. Und: das spricht sich rum! Dort wo das Wasser angenehm warm ist (das verstehen jetzt nur die Menschen, denen das Eisberg-Modell zur Fehlzeitenreduktion von Fr. Dr. Matyssek bekannt ist 😉 ), wollen sich alle am liebsten tummeln. Sprich Arbeitgeber und Teams bei denen das Klima stimmt, bei denen sich alle Teammitglieder gesehen und geschätzt fühlen, diese Arbeitgeber sind attraktiv. Dort fühlen sich Mitarbeitende verbunden und zugehörig, dort wollen Menschen gerne langfristig arbeiten und ihre Leistung einbringen. „Gesund führen – sich und andere!“ ist gerade für den Pflegebereich eine in jeder Hinsicht sinnvolle Investition.

 

T.R.: Danke Frau Hampel, ja, es ist wichtig, auf die Herausforderungen des Pflegebereichs hinzuweisen, denn genau da sehe ich die hohe Anschlussfähigkeit des Konzepts von Frau Dr. Matyssek: Im Pflegebereich gibt es einerseits hohe Restriktionen, immer neue Vorgaben und Erlasse auf die reagiert werden muss und auf der anderen Seite haben wir einen extremen Pflegenotstand. Es gibt schlicht nicht genug Personal, um alle Aufgaben erledigen zu können.

Als Arbeitgeber sind wir darauf angewiesen, gutes Personal zu finden, zu halten und gesund zu erhalten. Die bisherigen Arbeitstraditionen und Rahmenbedingungen, die ich im Bereich der Pflege kennengelernt habe, sind oft nicht besonders wertschätzend. Es gibt z.B. viel „von-oben-herab“ und viel Vorbestimmtheit. Den Blick auf das zu richten, was der einzelne Mensch an Ressourcen, Ideen und an Gestaltungskraft mitbringt hat in sehr vielen Pflege-Unternehmen oft noch nicht Einzug gehalten. Das ist fatal. Denn genau dieses Arbeitsfeld, mit seinen täglich neuen Herausforderungen, braucht kompetente, flexible und engagierte Führungskräfte und Mitarbeitende, die sich diesen Aufgaben stellen.

 

Wie haben denn die teilnehmenden Führungskräfte das Seminar aufgenommen?

A.H.: Innerhalb des Seminares wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass die erfahrenen Führungskräfte und die Führungsneulinge ein Forum haben, sich auszutauschen. Die klar strukturierte „Kollegiale Beratung“ am zweiten Tag war ein großes Highlight und wurde sehr dankbar aufgenommen und direkt umgesetzt.

Es geht bei diesem zweitägigen Seminar ja genau darum, langfristige Veränderungsprozesse anzustoßen. Es geht darum, Impulse zu setzen, die im Alltag Wirkung zeigen. Gerade die Vorstellung der kollegialen Beratung und deren Durchführung führt in der Regel dazu, dass alle Beteiligten sehr schnell merken: „Wow – da profitiere ich von!“ Begegnung auf Augenhöhe mit anderen Führungskräften wirkt einerseits entlastend und stärkt das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen gleichermaßen. Es ist im Sinne der eigenen Gesundheit der Führungskräfte wichtig und stärkend, sich mit Kolleginnen und Kollegen auf der gleichen Hierarchieebene vernetzen zu können.

 

T.R.: Meine Führungskräfte haben nach den Seminaren signalisiert: „es war sooo schön, dass es auch mal um uns ging!“ Dass die Führungskraft selbst und ihr Wohlergehen ein zentraler Faktor in diesem zweitägigen Seminar ist, wurde sehr positiv aufgenommen.

 

 

Was vermuten Sie, wie eine Mitarbeiterin in einer Pflegeeinrichtung Ihre Führungskraft nach dem Seminar erlebt?

A.H.: Meine Hoffnung ist, dass die Mitarbeiterin jetzt keine spontane, merkwürdige Wesensveränderung bei ihrer Führungskraft feststellt und sich veräppelt vorkommt, weil sie auf einmal für jede erbrachte Handlung ein „Danke“ bekommt. Ich hoffe, dass die Veränderung dahingehend spürbar ist, dass eine andere Form des Wahrgenommen-Seins und der Kommunikation stattfindet. Für mich wäre es optimal, wenn die positive Veränderung relativ schleichend und dafür nachhaltig Einzug hält. Wenn künftige Teambesprechungen regelmäßig mit den Fragen beginnen: „Was ist seit dem letzten Treffen alles positiv gelaufen?“ „Von welchen positiven Erlebnissen könnt ihr berichten?“ Das fände ich prima. Das wäre aus meiner Sicht ein echter Erfolg. Denn damit passiert langfristig bei allen im Team Veränderung. Veränderung im Blickwinkel, in der Kommunikation, im Miteinander.

T.R.: Mir fällt eine meiner Führungskräfte ein, sie hatte mir nach dem Seminar erzählt, dass ihr nun automatisch viel mehr Dinge bei ihren Mitarbeitenden auffallen, die ihr gut gefallen, die positiv laufen und diese verbalisiert sie nun auch verstärkt. Das ist eine Veränderung. Da ist ein Blickwinkel, der vorher mit Sicherheit auch schon da war, aber der ist jetzt bewusster, ist quasi trainierter und damit noch selbstverständlicher. Das ist mein Eindruck. Damit bin ich sehr glücklich.

 

Das was Sie beide berichten, klingt sehr lebendig. Ein Seminar mit dem Titel „Gesund führen!“ könnte man ja auch als Aufforderung verstehen, in den Spiegel zu schauen und zu sehen, was ich als Führungskraft im Alltag alles falsch mache. Das was Sie hier erzählen klingt nicht nach: „das muss ich in Zukunft lassen“ sondern nach: „ich gewinne …, ich profitiere …“

A.H: Ja, das ist ganz richtig rüber gekommen! Es handelt sich um einen grundsätzlich ressourcenorientierten Ansatz, der eben auch schon im Seminar lebendig ist. ABER es geht durchaus auch darum „etwas sein zu lassen!“ Das Konzept beinhaltet nämlich auch, die Themen Grenzen setzen, „Nein-sagen“ und Klarheit über die eigene Zuständigkeit und deren Grenzen.

Es wird die Botschaft transportiert: Sorge gut für dich, optimiere auch deine eigenen Arbeitsbedingungen und deine eigene Arbeitshaltung, um deine Mitarbeitenden gesund führen zu können. Dies beinhaltet eben auch die Erlaubnis, hinzuschauen: wo muss ich denn Abstriche machen? Was geht nicht, bzw. was geht lediglich mal temporär aber nicht dauerhaft? Wo muss ich meinen eigenen Perfektionismus vielleicht auch mal hinten anstellen? Und das ist gerade für Führungskräfte in der Pflege, die eher die Tendenz haben, zu viel zu machen, zu viel zu leisten, sich selbst zu viel aufzuladen, ein echtes und oft herausforderndes Lernfeld.

 

Frau Rutkowski, wenn Sie als Führungskraft hören, da kommt jemand und sagt Ihren Mitarbeitenden: „mach mal nicht so viel, sag lieber öfter mal nein.“ Passt das denn zu dem, was Sie wollen?

T.R.: Es ist natürlich zweischneidig: Wir haben einen Versorgungsauftrag und müssen täglich für unsere Klienten da sein. Und diesen Versorgungsauftrag müssen wir leisten – komme was wolle. Auf der anderen Seite nützt es mir gar nicht, wenn Mitarbeitende / Führungskräfte langfristig über Ihre Grenzen gehen. Auf Dauer werde ich dann lange Ausfälle haben, weil Mitarbeitende länger und schwerer erkranken, als es der Fall wäre, wenn sie frühzeitiger auf ihre Grenzen achten würden. Von daher ist es natürlich in meinem bzw. unser aller Sinne, wenn Führungskräfte auch ressourcenschonend mit sich selbst und den Mitarbeitenden umgehen.

 

Frau Rutkowski, was ist Ihrer Meinung nach das zentrale Element dieses Konzeptes?

 

T.R:: Der Perspektivenwechsel! Es geht ja vielfach in unserer Gesellschaft und auch bei uns in der Pflege darum, auf Fehler zu schauen, damit sie sich nicht wiederholen. Das ist wichtig, natürlich muss ich aus Fehlern lernen, sonst komme ich nicht weiter. ABER es ist auch wichtig, den Perspektivenwechsel hin zu bekommen und verstärkt zu sehen: Was läuft gut? Wo kann ich sagen: „das hast du prima gemacht!“ „Das bringt uns weiter!“ „Danke dafür!“  das ist in diesem verantwortungsvollen, temporeichen und komplexen Arbeitsfeld einfach enorm wichtig. Der offene Blick der eigenen Führungskraft, auf das was gut läuft, das motiviert das Team und macht allen Lust, sich noch mehr einzubringen und noch mehr mitzudenken. Diesen neuen Blick attraktiv zu machen und ihn verstärkt einsetzen zu wollen, das hat Frau Hampel bei uns grandios hinbekommen. Ich liebe den Satz: „Erwische Sie, wenn Sie gut sind!“

 

Woher kommt der?

T.R: Der kommt von Frau Hampel!

A.H.: Nein, tut er nicht! Den kann ich mir nicht auf die Fahnen schreiben. Der kommt von Frau Dr. Matyssek (Anmerkung: Auch nicht, ich habe ihn von Jürgen Walter “geklaut”). Ich mag diesen Satz auch sehr. Wobei ich Ihren Satz, Frau Rutkowski: „Mein Misstrauen musst du dir erst verdienen!“ auch genial finde.

 

Wie lautet denn Ihr Feedback zu diesen ersten „Gesund führen!“ Seminaren bei der cse?

R.T: Alle Führungskräfte im Bereich Gesundheit und Pflege haben dieses zweitägige Seminar besucht. Gemeinsam mit der übergeordneten Führungsebene habe ich selbst einen eintägigen Intensivtag „Gesund führen – sich und andere!“ in sehr kleiner Runde mit Frau Hampel als Trainerin erlebt. Schließlich sollten alle auch den gleichen Strang kennen, wenn alle an einem Strang ziehen sollen. Das ist bisher gut gelungen.

Noch ein Wort zum Wunsch der Seminarteilnehmenden nach einer Fortsetzung: Es ist in der Tat wichtig, im Alltag an den Themen bzw. an allen Dimensionen des „Gesund führen Seminars“ dran zu bleiben. In welcher Form auch immer. Das können weitere Fortbildungen sein, kurze Refresher, und auch schriftliche Informationen, um immer wieder den „Gf“ Fokus im Arbeitsalltag lebendig zu halten*. Auch regelmäßige kollegiale Beratung und professionelles Coaching helfen dabei, sich immer wieder zu reflektieren und neu zu justieren.

 

Und Ihr Feedback in Bezug auf Frau Hampel als Trainerin für Ihre Führungskräfte, Frau Rutkowski?

T.R.: Ich habe während des intensiven Tagesseminars, an dem ich selbst teilgenommen habe, Frau Hampel als eine sehr kompetente, ruhige und gelassene Seminarleitung erlebt. Sie ist äußerst sensibel und flexibel auf unsere spezifischen Fragestellungen und persönliche Belange eingegangen.

Es war eine sehr fröhliche, unbeschwerte Atmosphäre, die für alle einen intensiven Lerneffekt hervor gebracht hat. Wir erlebten einen lebendigen Austausch, viel Abwechslung in den Methoden und das alles geschmückt mit konkreten Erfahrungen. Die vielen Beispiele aus Frau Hampels langjähriger Praxis haben die Inhalte nochmal besonders lebendig illustriert.

 

Und welche Rückmeldungen kamen von den anderen Führungskräften?

Die haben auch ein tolles Feedback abgegeben. Sie hatten wohl eine langweilige Fortbildung erwartet, in der es mal wieder nur darum geht, „wie führe ich meine Mitarbeitenden richtig“. Sie haben stattdessen zwei Seminartage erhalten, an denen sie Spaß hatten, an denen sie selbst mit ihren Kompetenzen gefragt waren und in denen sie Anregungen bekamen, ihren Blick zu schärfen und auch mal durch eine andere Brille zu schauen. Sie erzählten, sie seien nicht müde, sondern angeregt aus diesem Seminar gekommen und haben sich nach dem ersten Tag auf den zweiten gefreut. Ich habe sogar die Aussage gehört: „So ein tolles Seminar haben wir noch nie gehabt!“ Und sie haben deutlich signalisiert, dass sie sich auf eine Fortsetzung freuen.

 

* https://www.do-care.de/newsletter der Newsletter von Frau Dr. Matyssek bietet viele Informationen, Materielien und Tools um dieses Thema für Führungskräfte aktuell zu halten und auch zu vertiefen. Eine Anmeldung lohnt sich!

 


 

Liebe Frau Rutkowski, liebe Frau Hampel, ganz herzlichen Dank für dieses wunderbare Interview und den Einblick in die praktische Umsetzung des Seminars “Gesund führen – sich und andere”! Ich freue mich wirklich sehr darüber, dass Sie beide Ihre positiven Erfahrungen mit meinem Konzept geteilt haben.

Von Herzen weiterhin alles Gute für Sie!

 


 

Anita Hampel ist ausgebildete Gesund-Führen-Trainerin

Hier ist ihr Trainerinnen-Profil.

Mehr über Frau Hampel erfahren Sie auf ihrer Website:

https://www.aha-coaching-duisburg.de/

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