Gesund-Führen-Trainer-Interview: Ludwika Fichte

Unter der Überschrift "Gesund-Führen-Trainer/innen-Porträts" werden ausgewählte Profis vorgestellt, die die Train-the-Trainer-Fortbildung von "do care!" erfolgreich durchlaufen haben. Heute: Ludwika Fichte aus Wuppertal. 
   
     

Seit wann sind Sie Gesund-Führen-Trainerin, und was hat Sie dazu bewogen, die Trainerinnen-Fortbildung anzugehen?

Ich habe in 2019 die erste Online – Ausbildung bei Frau Dr. Anne Katrin Matyssek abgeschlossen. Ich bin seit ca. 20 Jahren als Gesundheits-Psychologin tätig. Als Trainerin und Coach widme ich mich vor allem den Themen psychische Gesundheit, Stressmanagement, Entspannung, Resilienz, Konfliktmanagement und insgesamt Life in Balance.

Das Thema „Gesund – Führen“ war genau das richtige passende und fehlende Puzzle-Teil in meiner Expertise.

Ich habe gemerkt, wie gestresst, unzufrieden und immer wieder krank die Mitarbeiter sein können, wenn die Führungskraft gestresst ist – und wie im Gegenzug entspannt, zufrieden und gesund die Mitarbeiter bei einer Führungskraft sein können, die auf sich selbst und dadurch viel besser auf andere achten kann; und die weiß, wie sehr sich der eigene entspannte und gesunde Umgang mit den Mitarbeitern auf die Zufriedenheit, Gesundheit und insgesamt auf die Motivation und somit Leistung bei der Arbeit auswirkt.

Alle diese Gründe haben mich dazu bewogen, die Ausbildung bei Frau Dr. Anne Katrin Matyssek abzuschließen, um die Führungskräfte professionell zu unterstützen.

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Welchen Seminar-Baustein mögen Sie am liebsten?

Der Baustein „Anerkennung-Wertschätzung“ ist mein „Liebling“. Weswegen? Vor allem deshalb, weil ich in Trainings immer wieder die enorme Aha-Effekte bei den Führungskräften beobachte.

Bei diesem Baustein kommen, behaupte ich, die meisten inneren Haltungsänderungen zustande.

 

Welches ist Ihre bevorzugte Branche? Was ist das Besondere bei den Führungskräften in diesem Bereich?

Ich habe keine bevorzugte Branche, aber aus meiner beruflichen Historie habe ich bis heute sehr viele Trainings in der Finanzdienstleistungsbranche durchgeführt (bei den Banken und Versicherungen).

Das Besondere ist bei den Führungskräften, dass sie unter enormem Umsatzdruck stehen. Es werden fast täglich die Umsätze erfasst und den Führungskräften vor die Augen geführt (weil sie veröffentlicht werden), was zu einem weiteren Druck und Anspannung führt.

Diesen Druck und diese innere Anspannung geben sie häufig unreflektiert weiter, nicht ahnend welche Auswirkung dies hat.

Gleichzeitig sind diese Führungskräfte sehr offen für Neues und es macht Spaß mit ihnen zu arbeiten, weil sie bereit sind, eigene Verhaltensweise zu überdenken, verändern und schnell und effektiv Dinge, die sie gelernt haben, umsetzen.

Das betrifft auch die Führungskräfte aus anderen Branchen, dennoch nehme ich dies verstärkt in der Finanzdienstleistungsbranche wahr.

 

Was war Ihre schönste Erfahrung in einem Gesund-Führen-Seminar? Ggf. auch: und was war die schlimmste – was haben Sie daraus gelernt?

Was die schlimmste Erfahrung angeht, so habe ich sie im ersten Seminar „Gesund-Führen“ gehabt. Als ich einen Satz auf meine PowerPoint – Folie gezeigt habe „Jeder Kommunikation zwischen der Führungskraft und einem Mitarbeiter soll den Mitarbeiter stärken“. Ich habe dann gefragt, wie viele Teilnehmer den Satz unterschreiben würden.

Fast alle Führungskräfte (es war ein Produktionsbetrieb) waren irritiert, weil sie sagten, dass man bei berechtigter und wiederholter Kritik das Gespräch maximal neutral halten, aber auf keinen Fall den Mitarbeiter stärken kann. Es gab eine heiße Diskussion auf die ich innerlich nicht vorbereitet war. Darüber hinaus hatte ich keine guten Beispiele parat. Die Situation wurde durch eine Führungskraft gerettet (die zuerst lange geschwiegen hat), die mir den Rücken mit zwei guten Beispielen gestärkt hat und mich „erlöst“ hat. Da war ich richtig froh und dankbar. Danach habe ich viele gute Beispiele für alle Themen vorbereitet. Es war ein gutes Learning. 😊

Was die „die schönste Erfahrung“ angeht…Hmm. So etwas gibt es für mich nicht. Es gab aber dafür viele schöne Momente in Trainings. Wann?

Wenn Führungskräfte durch die richtigen Fragen die Perspektive wechseln und eigene Mitarbeiter besser verstehen.

Dadurch verändern sie ihre eigene Haltung, was die beste Voraussetzung ist, neue Verhaltensweisen im Berufsalltag als Führungskraft ohne Mühe einzusetzen. Sie tun nicht „das Richtige“, weil sie glauben, dass das richtig ist, sondern weil sie überzeugt davon sind. Und das ist ein echter Unterschied.

 

Welche Voraussetzungen müssen Ihrer Meinung nach gegeben sein, damit ein Gesund-Führen-Seminar erfolgreich ist? Seitens Seminarleitung, seitens Unternehmen, seitens der Führungskräfte?

Meiner Meinung nach ist es für die Seminarleitung wichtig, sicher in allen Themen zu sein, den Führungskräften Wertschätzung entgegenzubringen, indem man ihre Expertise nutzt und die Führungskräfte durch viele interaktive Team-Übungen und zielführende Reflexionen involviert.

Seitens eines Unternehmens ist die beste Voraussetzung, wenn die Leitung selbst daran teilnimmt, wenn ein echter Wille im Unternehmen vorhanden ist, Dinge ggf. zu verändern und auch den Führungskräften eine kontinuierliche Unterstützung zu geben bspw. in Form eines Follow-Ups, Coachings und internen Meetings, bei denen das Thema „gesund-führen“ auch gelebt wird (bspw. kleine Mini-Übungen durchgeführt werden) und auch immer wieder besprochen wird (bspw. werden schwierige Führungssituationen in Form einer kollegialen Beratung besprochen und Lösungen erarbeitet, es wird gefragt, was läuft gut, wo hakt es und wie kann man als Unternehmensleitung die Führungskräfte unterstützen, etc..).

Die Führungskräfte brauchen die Unterstützung des Unternehmens, indem sie gehört werden, indem sie sehen, dass zumindest manche Dinge sich im Unternehmen ändern lassen (bspw. strukturell) und indem sie selbst Dinge aus dem Seminar täglich umsetzen (sei es nur Selbst-Care) und damit mit gutem Beispiel vorangehen.

 

Warum sind Sie die / der Richtige für Gesund-Führen-Seminare? Was ist das Besondere an Ihnen Was sind Ihre Stärken?

Mich selbst zu loben fällt mir im Leben generell schwer, und diese Frage erfordert ein wenig diese Kompetenz. Dennoch: Ich versuche, es sachlich zu formulieren. Meine Stärke ist, wie ich immer wieder als Feedback bekomme, dass ich meine Teilnehmer sehr stark in das Seminar involviere, deren Expertise einbringen lasse, auf Augenhöhe mit den Teilnehmern kommuniziere und viele gute Fragen stelle (gepaart mit guten Beispielen), die den Teilnehmern helfen die Perspektive zu wechseln und dadurch Dinge zu verinnerlichen und vor allem die eigene Haltung zu überprüfen und ggf. zu verändern.

Haltung ist für mich die wichtigste Voraussausetzung, um Verhaltensänderungen umzusetzen.

Wenn ich nur weiß und auch verstehe, dass ich als Führungskraft die Mitarbeiter bei jedem Gespräch stärken soll, aber nicht davon überzeugt bin, dass es gut ist (und weswegen), werde ich mich sehr schwer tun, dies umzusetzen. So eine Führungskraft wird es nach dem Seminar vielleicht 1x oder 2x machen, aber danach fällt sie in alte Verhaltensmuster zurück.

Als Seminarleiterin hilft mir, dass ich gleichzeitig ein erfahrener Manager-Coach bin. Daher bin ich gewohnt, die richtigen Fragen im richtigen Moment zu stellen und warte ab, was bei den Führungskräften im Kopf und auch im Herzen passiert. Das sind dann die magischen Momente, in denen Veränderungen bei den Führungskräften in der Haltung stattfinden.

Und dann denke ich selbst: Ja, ich habe es geschafft. Und ich freue mich sehr für die Führungskräfte und für das Unternehmen und vor allem deren Mitarbeiter.

 

Welche Tipps haben Sie für angehende Gesund-Führen-Trainer/innen?

Das wichtigste ist eine gute Vorbereitung im Vorfeld (mit vielen guten Beispielen 😊) und eine Haltung, dass auch wir nicht alles wissen (können/müssen).

Die Experten sind die Führungskräfte.

Deren Expertise können wir durch die gute Struktur des Seminars, gute Fragen, gute Übungen und ggf. gute Beispiele 😊 rauslocken.

 

Was tun Sie für Ihre eigene Gesundheit?

Nach dem ich mir im Leben meine Werte bewusstgemacht habe (dafür nutze ich in meinen Seminaren zum Thema „Resilienz“ eine gute Übung) und meine Prioritäten im Leben festgelegt habe, tue ich seit Jahren viel für meine Gesundheit:

Ich fange den Tag mit Sportübungen/ Gymnastik/ Laufen und Dankbarkeitsgedanken an.

Während des Tages mache ich kleine Minipausen und Miniübungen für den Körper und Seele. Am Ende des Tages fokussiere ich mich auf das, was gut war, um den Tag gut abzuschließen.

Insgesamt halte ich mein Leben in Balance, indem ich außer Arbeit genug Zeit für mein privates nicht gefülltes, aber erfülltes Leben habe mit dem Fokus auf die Menschen, die mir viel bedeuten und die ich wertschätze und liebe.

 

 

Liebe Frau Fichte,

super, vielen lieben Dank für dieses Reinschauen-Lassen in Ihre berufliche Tätigkeit. Ich freue mich sehr, dass Sie zur „do care!-Community“ gehören! Weiterhin viel Freude bei Ihrer Arbeit!

 


Mehr über diese Interviewpartnerin:

 

B. Ludwika Fichte

54 Jahre
lebt in Wuppertal

Dipl. Ökonomin/Dipl. Psychologin
ausgebildete Gesund-Führen-Trainerin nach dem „do care!®-Konzept“

Meine Familie und mein Beruf sind meine Hobbys 😊.
Darüber hinaus Freunde, Segeln, Tennis, klassische Musik und lesen.

Inhaberin von Fichte-Coaching in Wuppertal