Interview mit Heike Schröder

BGM im Zweitjob bei der Lufthansa

Wie ich Frau Schröder kennengelernt habe …

Das war 2013 bei einem Vortrag von mir bei der Max-Planck-Gesellschaft in München. Die Veranstaltung „Forum Gesunde Wirtschaft“ wurde von der Techniker Krankenkasse ausgerichtet, und Frau Schröder nahm als Kundin (Lufthansa) teil.

Auf dem oberen Foto sieht man, wie die Tagungsgäste „Mini-Urlaub“ machen; und Professor Grönemeyer war auch dabei …

[Link: https://www.flickr.com/photos/tk_presse/sets/72157634371239016/].

Im Anschluss hat Frau Schröder mich für einen eigenen Vortrag für ihre Führungskräfte eingekauft; vor dem eigentlichen Vortrag nahm ich noch an einer Sitzung ihres Steuerkreises Gesundheit teil und konnte mir ein ganz gutes Bild von der Arbeit machen.

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Frau Schröder ist „Gruppenleiterin Fluggastdienste“ der Lufthansa am Standort München. Sie hat die disziplinarische Führung für 250 Mitarbeitende, die im Kundenkontakt tätig sind. In diesem Zusammenhang ist sie auch zuständig für Prozesse, kulturelle Themen, Rekruiting, usw. Sie sagt von sich selbst: „BGM ist mein Zweitjob“.

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  1. Was ist das Besondere an Ihrer Arbeit?

Die Abwechslung in meiner Tätigkeit, nicht nur im BGM. Dass man morgens nicht genau weiß, was einen erwartet, weil die Mitarbeiter so unterschiedlich sind und mit unterschiedlichen Themen auf mich zukommen. Dazu kommt der Kontakt zu Menschen und Kollegen und dass ich sehr frei in der Gestaltung meiner Arbeit bin. Dass ich viel selbst entscheiden darf. Das macht für mich das Besondere aus.

Es ist auch keine Selbstverständlichkeit, immer wieder das Commitment beim BGM zu bekommen. Langfristig ist es viel, was wir erreicht haben.

Ich kann steuern und selbst entscheiden: Wie viel bin ich präsent im Betrieb? Für meinen Geschmack zu wenig. Ich mache es immer noch mit Leidenschaft.

 

  1. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Was BGM betrifft: Hartnäckigkeit und langer Atem. Auch mal nerven können und immer wieder auf die Füße treten.

 

  1. Wie kamen Sie überhaupt zum BGM?

Ich bin vor 7 Jahren zum BGM gekommen, als ich gefragt wurde ob ich das Projekt aufbauen möchte. Von Haus aus bin ich Ökotrophologin. Das Interesse für Gesundheit begleitet mich ein Leben lang. Wir haben im Unternehmen immer schon viel zum Thema Gesundheit gemacht, zum Beispiel im Arbeitsschutz oder bei Arbeitszeitregeln.

Und dann hieß es: „Wir machen das als Projekt“. Und ich wurde Projektleiterin. Inzwischen ist es aber weit mehr als ein Projekt: Es ist schon lange im Routinebetrieb.

Ich arbeite bis zu 50 Stunden pro Woche, BGM macht ca. ein Drittel davon aus. Dabei kann ich viel delegieren, sonst würde das Projekt nicht funktionieren. Denn mein 2. „Nebenjob“ ist das Rekruiting, das heißt, neue Mitarbeiter für Lufthansa zu gewinnen.

Das Projekt muss selbstverständlich wirtschaftlich begründet werden und passen. Geplant ist, das BGM auf richtige Füße zu stellen und durch einen Vollzeitreferenten zu betreuen. Ich selbst würde das BGM dann abgeben. Und erfreulicherweise schaut es ganz gut aus für meinen Bereich, das sind insgesamt 1500 Mitarbeiter.

Ich bin optimistisch, dass wir wegkommen vom „Nebenbei-Machen“.

 

  1. Worauf sind Sie besonders stolz?

Die Vertragsverlängerung mit der Techniker Krankenkasse macht mich stolz. Die TK war lange Jahre unser Kooperationspartner. Leider ist der Vertrag vor 6 Monaten ausgelaufen.

Das macht mich auch stolz, dass es mit der Vertragsverlängerung immer wieder geklappt hat, denn das heißt ja: Wir setzen das gut um, wir verwenden die Gelder gut.

Ich habe das Projekt nicht allein geschafft, sondern zusammen mit dem gesamten Team. Wir haben nicht losgelassen und sehen jetzt die Früchte. Mindestens 90% der Mitarbeiter fällt beim Wort BGM etwas ein: sei es der Apfel, kostenfreie Getränke, Desinfektionsspender oder die Weight Watchers Kurse. Es ist schön und motiviert mich, wenn jemand kommt und sagt: „Ich hab 10 kg abgenommen, danke, dass Sie das organisiert haben“.

 

  1. Wie haben Sie es geschafft, Gesundheitsmuffel zu Gesundheitsfans zu machen?

Ist mir das gelungen? So stark ausgeprägt würde ich das nicht behaupten. Einen Mitarbeiter vom Couchpotato zum Marathonläufer zu entwickeln, kann nicht mein alleiniger Verdienst sein. Aber wir haben kleine Schritte erreicht,  die ja auch wichtig sind: wenn jemand den Apfel nimmt statt des Schokoriegels aus dem Automaten. Unser Rezept ist einfach: ein langer Atem, beharrlich bleiben. Das hat mein Multiplikatorenteam über die Jahre geschafft.

Einen kurzen BGM-Slot gibt es im Grundkurs, wenn die neuen Mitarbeiter ausgebildet werden. Das ist von Anfang an Thema. Wir zeigen: Was bieten wir, welche BGF-Angebote gibt es, und was liegt in der Selbstverantwortung?

Wir haben viele Führungskräfte zum Thema Gesund-Führen geschult, das läuft weiter, zum Teil auch über die Krankenkasse.

 

  1. Was treibt Sie persönlich an?

Etwas erreichen wollen. Erfolg, Spaß. Dinge gern machen. Oftmals bin ich auch einfach ein disziplinierter Mensch, der tut, was gemacht werden muss. Gesunder Ehrgeiz und die Überzeugung, etwas bewegen zu können.

Mich treibt an, wenn Mitarbeiter meine Tipps und Erfahrungen annehmen, zum Beispiel in der beruflichen Weiterentwicklung

 

  1. Wer unterstützt Sie?

Das Team. Letztendlich auch der Betriebsrat, was ich als sehr positiv empfinde. Meine direkte Chefin unterstützt mich ebenfalls, und auch Kollegen. Ich fühle mich nicht allein.

Den Steuerungskreis wird es auch in Zukunft geben. Es ist für jeden von uns Mehrarbeit, aber alle sind gern und mit Begeisterung und aus voller Überzeugung dabei.

Insgesamt haben wir den Steuerungskreis ein bisschen heruntergefahren über die Jahre. Anfangs waren wir  ca. 15 und hatten monatliche Treffen.

Jetzt sind es je nach Bedarf 3 bis 4 Treffen im Jahr, weil es zeitlich nicht mehr zu schaffen ist. Der Betriebsarzt ist dabei, der Betriebsrat, die psychosoziale Beratung und eben Multiplikatoren und Führungskräfte aus allen Bereichen.

Und noch etwas Positives: Wenn obere Führungskräfte neu kamen, wurde BGM trotzdem weiter gelebt; unser Personalvorstand hat BGM inzwischen jeder Führungskraft ins Pflichtenheft eingeschrieben. Das ist natürlich sehr hilfreich.

 

  1. Hatten Sie anfangs Zweifel? Wie haben Sie die überwunden?

Man hat immer wieder seine Zweifel. Das Commitment von oben muss ich immer wieder abholen.

Man muss akzeptieren: BGM ist nicht das Top1-Thema in so einem großen Konzern.

BGM ist immer nur ein Nebenläufer, welches genauso für alle kulturellen Themen gilt. Haltung ist vielleicht ein besseres Wort als „Kultur“. Ich finde es wichtig, Haltungsthemen zu platzieren.

Das Konzern-BGM hat inzwischen BGM-Beauftragte in allen Bereichen und bei allen Gesellschaften eingeführt. Auch ein Erfolg! Da kann ich jetzt gut meine persönlichen Erfahrungen und auch die zu erwartenden Probleme einbringen.

Die BGM-Beauftragten haben sehr unterschiedlichen Background. In manchen Bereichen gibt es auch ausgebildete BGM-Referenten. Und so einen hätte ich eben auch gern!

Ich wünsche mir, dass wir so weitermachen und das Management vom BGM und die kulturellen Themen mehr verstärken – also Gesund-Führen-Aspekte, Wertschätzung, Mitarbeiter ins Boot holen. Die Betriebliche Gesundheitsförderung läuft inzwischen prima, das führen wir in Zukunft weiter. Und wir möchten noch mehr auf die Führungskräfte in allen Ebenen einwirken, was die innere Einstellung zum Thema Gesundheit für sie selbst und ihre Mitarbeiter betrifft.

 

  1. Welche Tipps haben Sie für Neulinge im Bereich BGM?

Man braucht eine innere Überzeugung. Man muss es selber wirklich wollen und braucht  Leidenschaft, damit man es ans Laufen bekommt.

Und man muss sich Unterstützer suchen; die findet man in unterschiedlichsten Bereichen, zum Beispiel auch mal beim Betriebsrat.

Man braucht Geduld und Ausdauer. Sooo schnell wächst das Pflänzchen nicht.

 

  1. Und was tun Sie für Ihre eigene Gesundheit?

Gut und lange schlafen, das ist das Erste. Zweimal die Woche Laufen, auch im Fitness-Studio bin ich oft. Kleine Auszeiten sind mir wichtig: Mal einen Tag in die Berge gehen, schön auf die Hütte in die Sonne setzen, was von München aus ja gut geht. Urlaub ist mir auch heilig. Da bleibt das Handy aus. Ich selbst versuche auch, mich nicht von sozialen Netzwerken leiten zu lassen. Ein gutes Umfeld mit Partner und Freunden, schöne Dinge unternehmen und diese ganz bewusst zu genießen.

Ich bin Gott sei Dank eigentlich nie krank. Bislang gelingt mir meine Work-Life-Balance.

Ich habe ein gesundes Privatleben. Bewusst da zu sein und zu leben, ist mir wichtig.

 

Vielen herzlichen Dank für diesen Einblick in Ihre Arbeit bei der Lufthansa, liebe Frau Schröder!

Mein Fazit:

Ich finde es wirklich erstaunlich, wie viel man im „Nebenjob“ erreichen kann – und wie sich die Kontinuität über die Jahre auszahlt! Das macht Mut zum Dranbleiben und Durchhalten …

 


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