Interesse zeigen: Das ist Ausdruck gesundheitsgerechter Führung

Menschen brauchen das Gefühl, dass andere sich für sie interessieren. Dass sie ihnen nicht gleichgültig sind bzw. – noch einen Schritt vorher – dass sie überhaupt zur Kenntnis genommen werden. Sonst gehen sie ein. Und umgekehrt: Interesse lässt Menschen aufblühen und ihr Potenzial abrufen.

„Wer sich unsichtbar fühlt, wird selten gute Leistung bringen.“

Was passiert genau, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Gefühl haben, dass sich niemand für sie interessiert?

  • Manche werden motzig, aggressiv, wütend. Sie regen sich auf. Sie denken: „Die können mich hier mal, sind doch alles arrogante Idioten.“ Das ist nicht gesund: Der Blutdruck schießt in die Höhe, die Pulsfrequenz steigt, die Muskelanspannung nimmt zu, der Mensch ist abgelenkt von der Arbeit, und sein Herz-Kreislauf-System leidet.
  • Andere reagieren ohnmächtig, hilflos, resigniert. Sie denken „Ich bin ja hier nur eine kleine Nummer und total unwichtig; bewirken kann ich hier eh nichts, keiner sieht mich“. Das ist ebenfalls nicht gesund. Wenn Menschen sich hilflos fühlen, schütten sie verstärkt Cortisol aus, was ihr Immunsystem schwächt und langfristig depresssionsanfällig macht.
  • In jedem Fall sind sie abgelenkt und damit nicht konzentriert bei der Sache.

Wie können Sie als Führungskraft Interesse zeigen?

  • Kennen Sie den Namen … Das klingt banal, aber immer wieder sagen Menschen: „Jetzt arbeite ich schon seit 4 Monaten für den, und der weiß noch immer nicht, wie ich heiße.“
  • Gratulieren Sie zum Geburtstag oder Jubiläum – nicht mit vorgedruckter Karte, sondern persönlich, mit Handschlag, Blickkontakt und Lächeln.
  • Wahren Sie (unaufdringlichen) Kontakt zu Menschen in Krankheit, damit sie sich nicht vergessen fühlen. Schreiben Sie eine Karte mit Genesungswünschen oder rufen Sie an (alle oder keinen, bitte nicht nur die Lieblinge oder die Blaumacher-Kandidaten!).
  • Begrüßen Sie Mitarbeitende nach einer Abwesenheit – nach krankheitsbedingter genau so wie nach urlaubs- oder fortbildungsbedingter Abwesenheit. Sprich: Führen Sie Willkommensgespräche.
  • Interessieren Sie sich auch mal für Persönliches. Erkundigen Sie sich nach dem Wohlergehen der Kinder oder ähnliches. Wenn Sie merken, es ist Ihrem Gegenüber unangenehm, können Sie es ja wieder lassen.
  • Fragen Sie den anderen nach seiner Meinung oder Einschätzung zu beruflichen Fragen, aber auch zu sportlichen oder kulturellen Ereignissen, die Sie selber interessieren.
  • Fragen Sie nach, wie die Arbeit läuft und der Mitarbeiter damit vorankommt; z.B. ob er Hilfsmittel braucht. Zeigen Sie ruhig Dienstleistungsbereitschaft: „Kann ich sonst noch was für Sie tun?“ Dieser ungewohnte Satz wird meistens mit Achtung und Respekt belohnt (wenn die erste Verwirrung sich gelegt hat).

Fazit für Sie als Führungskraft: Stellen Sie Fragen, ohne aufdringlich zu werden!