Anwesenheitsprämien
DAS FEHLZEITEN-GLOSSAR
Klassisches
Fehlzeiten-Management
Im klassischen Fehlzeiten-Management gelten Anwesenheitsprämien als Anreiz oder Belohnung für wenige Fehlzeiten.
Die Logik dahinter lautet: Wer seltener fehlt, soll dafür einen finanziellen Vorteil erhalten.
Das klingt auf den ersten Blick pragmatisch. In der Praxis ist dieser Ansatz jedoch problematisch.
Anwesenheitsprämien können im Team als ungerecht erlebt werden – zum Beispiel von Menschen, die wegen chronischer Beschwerden, Migräne oder anderer gesundheitlicher Belastungen immer wieder ausfallen.
Krankheit erscheint dann schnell als individuelles Versagen.
Zugleich transportieren Anwesenheitsprämien eine heikle Botschaft:
Beschäftigte könnten häufiger anwesend sein, wenn sie nur wollten.
Damit unterstellen sie stillschweigend, dass Fehlzeiten zum Teil willentlich zurückgehaltene Arbeitsleistung seien. Das offenbart ein negatives Menschenbild und schwächt Vertrauen.
Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Anwesenheitsprämien können Präsentismus fördern.
Beschäftigte kommen dann trotz Krankheit zur Arbeit – nicht, weil es sinnvoll wäre, sondern weil sie den Bonus oder die Team-Prämie nicht verlieren wollen.
Belohnt wird damit vor allem das körperliche Vorhandensein. Ob jemand arbeitsfähig, leistungsbereit und innerlich bei der Sache ist, bleibt dabei offen.
Genau darin liegt das Problem:
Nicht jede Anwesenheit ist schon ein Gewinn.
© Dr. Anne Katrin Matyssek
POSITIVES
Fehlzeiten-Management (POSFZM)
Das ziel-orientierte positive Fehlzeiten-Management ersetzt Anwesenheitsprämien durch persönliche Anerkennung.
Geld auf dem Konto ist eine prima Idee ... Aber Menschen sind soziale Wesen. Und ein persönliches Wort durch die Führungskraft kann weit stärker wirken als ein Bonus.
Voraussetzung dafür ist allerdings: Führungskraft und Team-Mitglied mögen sich. Leider hakt es bei hohen Fehlzeiten oft genau hier.
Wenn die Führungskraft beliebt ist, wirkt auch ein Frühstück mit ihr als attraktive Belohnung. In einem Logistik-Konzern macht man dies beispielsweise für alle Beschäftigten, die im letzten Jahr weniger als 2 Fehltage hatten. Dafür schleppt sich niemand krank zur Arbeit, und der Neid hält sich in Grenzen.
Das Wichtigste daran: Die Führungskraft nimmt es überhaupt zur Kenntnis, dass jemand so oft anwesend ist, obwohl er oder sie bestimmt auch mal Kopfweh hatte. Die Menschen fühlen sich gesehen. Sie spüren die Anerkennung, sogar ohne Begleitschreiben.
Einige Unternehmen arbeiten genau mit solchen Schreiben. Diese Briefe sollen die Anerkennung ausdrücken und kommen meist dann zum Einsatz, wenn Führungskräfte sich nicht zu reden trauen.
Meine Erfahrung damit:
Wie bei dem Frühstück wird auch dies nur dann als Anerkennung bewertet, wenn die Beschäftigten wert darauf legen, bei den Führungskräften anerkannt zu sein. Vereinfacht gesagt: Wenn man sich mag und darauf wert legt, vom Gegenüber respektiert zu werden, weil man seinerseits das Gegenüber respektiert. Dann wirkt so etwas. Und besonders stark wirkt so ein Schreiben, wenn es nicht anonym verschickt wird.
Sondern das persönliche Überreichen festigt die Bindung und stärkt die Beziehung. Der Mensch fühlt sich gesehen und gewürdigt. Darum geht es.
© Dr. Anne Katrin Matyssek
