Führung unter Stress

Selbststeuerung bei Stress als Hebel für Echte Anwesenheit

Wenn Führungskräfte unter Stress geraten, bleibt das nicht folgenlos. Tonfall, Präsenz, Geduld, Delegation und Gesprächsqualität verändern sich. Genau deshalb ist der Umgang mit eigenem Stress kein Privatthema, sondern ein Führungshebel im Positiven Fehlzeiten-Management. Denn Echte Anwesenheit wächst dort, wo Führung verlässlich, transparent und menschlich bleibt – auch unter Druck.

Führung unter Stress ist anders als sonst. Hier finden Sie einen Selbst-Check dazu und eine Grafik über das, was Stress mit Ihnen macht.  

Führung unter Stress: Der Mensch verändert sich

Auch Führungskräfte, die unter normalen Bedingungen mitarbeiterorientiert denken und handeln, verändern sich, sobald sie selbst in Stress geraten. Das bleibt nicht ohne Wirkung auf Teamklima, Gesprächsqualität und Echte Anwesenheit.

  1. Sie zeigen wie alle anderen Menschen körperliche, psychische und zwischenmenschliche Stressreaktionen.
  2. Sie stecken – oft ohne es zu merken – Ihr Team mit dem eigenen Stress an.
  3. Und Ihr Führungsverhalten verändert sich.

Glauben Sie nicht? Testen Sie Ihre Führung unter Stress!

Mit Hilfe dieses Fragebogens können Sie prüfen, inwiefern sich Stress auf Ihr Führungsverhalten auswirkt. Die beiden Seiten stellen nicht in jedem Punkt Gegensätze dar. Aber sie zeigen Ihnen, dass Sie sich verändern, sobald der Stress Sie packt.

Führung unter Stress – Wie verändert sich Ihr Führungsverhalten?

Führung unter Stress - Selbstcheck

Was tun, wenn Sie im Stress sind?

Hier finden Sie eine Übersicht über mögliche Überlastungssymptome, die Sie nicht nur bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beobachten können, sondern auch an sich selbst.

So eine Analyse scheint auf den ersten Blick nicht viel zu verändern. Im Erleben aber verändert sich oft sehr viel: Man hat das Gefühl, dem Stress besser gewachsen zu sein, weil man ihn von außen anschaut. Probieren Sie es aus.

Als Führungskraft wollen Sie Stress reduzieren – und sind selbst im Stress

1. Was der Stress mit Ihnen macht

Natürlich sind Sie als Führungskraft auch selbst im Stress. Das lässt sich nicht vermeiden. Und Ihr Führungsverhalten verändert sich dann. Es kann sein, dass Ihre Mimik starrer wird, der Tonfall schärfer ausfällt, Sie weniger delegieren oder Delegiertes wieder an sich ziehen und stärker sachorientiert handeln.

Und auch mit sich selbst gehen Sie anders um, wenn Sie im Stress sind: Sie verzichten eher auf Pausen, auf kleine Bewegungsübungen zwischendurch, auf regelmäßige gesunde Ernährung und auf Erholung. Wer ohne gescheites Essen durcharbeitet und sich primär von Kaffee ernährt, wird meist nicht sozialverträglicher. Das geht allen so: Der Blutzuckerspiegel sinkt – und mit ihm oft die Laune. Man wird motzig und gereizt.

Wichtig ist natürlich, dass Sie diese schlechte Stimmung nicht an Ihren Leuten auslassen.

Sie müssen sicherstellen, dass Ihre Mitarbeiter Ihre schlechte Laune oder Kurzangebundenheit nicht auf sich beziehen. Im einfachsten Fall kommunizieren Sie es offen: „Hier tobt gerade der Stress. Lassen Sie mich bitte heute Vormittag möglichst in Ruhe!“

In solchen Situationen bleibt oft keine Zeit für Freundlichkeit im Übermaß. Das ist nicht weiter schlimm – solange die Gründe für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter transparent sind. Ihre Leute haben für vieles Verständnis, wenn Sie ihnen erklären, was mit Ihnen los ist.

Dazu sollten Sie sich nicht verbiegen.

Es geht nicht darum, sich zu verstellen oder nur mit einem Lächeln auf den Lippen herumzulaufen. Solange der Mitarbeiter eine Erklärung bekommt und Ihr Genervt-Sein nicht auf sich bezieht, ist ein gestresster Gesichtsausdruck legitim.

Falls doch einmal der Ton daneben gegangen sein sollte, können Sie sich auch im Nachhinein entschuldigen – tun Sie’s. Die meisten Mitarbeitenden reagieren mit Respekt, wenn eine Führungskraft tatsächlich das Rückgrat hat, sich zu entschuldigen.

Wichtig ist, dass Ihr Mitarbeiter nicht Ihre stressbedingten Reaktionen auf sich bezieht und beleidigt reagiert. Erklären Sie, dass Sie gerade gestresst sind – und fast alles ist erlaubt …

Was das mit Positivem Fehlzeiten-Management zu tun hat

Gestresste Führungskräfte machen niemanden krank. Aber sie beeinflussen sehr wohl, wie Arbeit erlebt wird: ob Gespräche gelingen, ob Mitarbeitende sich gesehen fühlen, ob Unsicherheit wächst und ob Belastungen früh sichtbar werden. Genau deshalb gehört der Umgang mit eigenem Stress ins Positive Fehlzeiten-Management. Denn Echte Anwesenheit wächst dort, wo Führung verlässlich, transparent und menschlich bleibt – auch unter Druck.

2. Wie Sie Ihren Stress analysieren

Stress ist nicht einfach das, was objektiv passiert. Entscheidend ist auch, wie wir eine Situation bewerten. Was den einen fordert, überfordert den anderen. Genau deshalb lohnt es sich, den eigenen Stress nicht nur hinzunehmen, sondern systematisch zu analysieren.

Wenn wir hier von Stress reden, dann meinen wir die negative Seite von Stress.

Das objektiv Passierende ist nur der Auslöser. Der Kopf – also das Erleben und Einschätzen – ist ein Teil dessen, was für uns Stress ausmacht. Deshalb reagieren Menschen auf dieselben Stressoren unterschiedlich.

Wenn man das wirklich ernst nimmt, heißt das auch: Man sollte nie zu jemandem sagen „Stell dich nicht so an!“ Damit würde man das Gegenüber nicht ernst nehmen.

Die Bewertung ist subjektiv.

Wenn sich jemand die Bewältigung einer Aufgabe nicht zutraut, kann ich ihm Mut machen und ihn an seine Erfolge erinnern. Andererseits kann ich auch das Belastungslevel senken, damit er sich die Arbeit eher zutraut. Beides sind sinnvolle Ansatzpunkte.

Wichtig ist, dass Menschen frühzeitig Bescheid sagen – und dass Führung frühzeitig hinschaut.

Das Stress-Modell hilft bei der Analyse

Im Folgenden lernen Sie ein Stress-Modell kennen, das Ihnen helfen kann, Ihren Stress zu analysieren und passende Möglichkeiten der Stressbewältigung abzuleiten.

Früher dachte man: Menschen seien Stressoren hilflos ausgeliefert, und die einzige sinnvolle Strategie sei Stressvermeidung. Das greift zu kurz. Wir sind grundsätzlich dafür geschaffen, Belastungen zu bewältigen. Bewältigter Stress kann sogar stärken.

Voraussetzung dafür ist, dass wir uns zwischendurch gut erholen und wieder zu Kräften kommen.

Wenn wir Energie verbraucht haben, müssen wir sie danach wieder aufladen. Es ist, als hätten wir einen kleinen Akku in uns: Energie zu verbrauchen, gehört zum Leben. Aber wir müssen danach wieder Energie tanken. Diese Quellen, bei denen wir Energie tanken können, nennt man auch Ressourcen.

Angenommen, Sie sind im Stress. Dann zeigen Sie Reaktionen auf 4 Ebenen.

  • Der Körper reagiert (Sie schwitzen, atmen flach, das Herz schlägt schneller etc.).
  • Wir denken anders (zum Beispiel negativer über uns und andere).
  • Wir fühlen anders (Angst, Ohnmacht, Resignation oder aber Wut und Ärger).
  • Wir verhalten uns anders (zum Beispiel motziger, lauter, ungeduldiger).

Grundsätzlich sind immer alle 4 Ebenen betroffen. Das ist wichtig, wenn Sie Ihren Stress besser verstehen und beeinflussen wollen.

stress-modell

Unser Körper verändert sich langsamer als unsere Arbeitswelt

Körperliche Stressreaktionen sind ursprünglich dafür gedacht, uns auf Aktivität vorzubereiten. Das Problem heute: Wir bleiben oft im Alarmzustand, ohne echte Pause und ohne gute Erholung. Dafür ist unser Organismus nicht gemacht.

Nach Belastung braucht es Erholung.

Nach einem schwierigen Gespräch oder einer angespannten Situation stürzen wir uns oft direkt auf den nächsten Stressor. Ohne Pause. Dafür ist unser Organismus nicht ausgerüstet. Wir brauchen ein Wechselspiel von Anspannung und Entspannung, von Energie-Verbrauch und Energie-Aufladung.

Ressourcen sind also ganz wichtig für unsere Gesundheit.

Wenn Sie dafür sorgen, dass Ihr Akku möglichst oft wieder grün wird, sind Sie besser gewappnet für die nächsten Stressoren.

Wo tun Sie das eigentlich? Was gibt Ihnen Kraft? Auch bei den Ressourcen gibt es große Unterschiede von Mensch zu Mensch.

Stressoren gibt es überall – Ressourcen aber auch!

Es gibt Stressoren nicht nur am Arbeitsplatz und Ressourcen nicht nur im Privatleben. Auch am Arbeitsplatz können Sie Kraft tanken: in der Pause, beim Schwätzchen mit Kollegen, durch das Feiern von Erfolgen oder durch Selbstwirksamkeit. Und privat lauern ebenfalls etliche Stressoren.

Wichtig ist, dass Sie an dieser Stelle mitnehmen: Stress ist nicht grundsätzlich gesundheitsschädlich. Er hat erst dann eine echte Chance, gesundheitsschädlich zu werden, wenn wir die grüne Seite vernachlässigen.

Dauerstress ohne ausreichende „grüne“ Einheiten erhöht das Risiko für körperliche und psychische Beschwerden deutlich.

Laden Sie Ihren Ressourcen-Akku regelmäßig auf!

Solange Sie Ihren Ressourcen-Akku gut aufgeladen halten, schützt Sie das vor gesundheitlichen Folgeschäden durch Stress. Ressourcen-Aufladen ist eine wichtige Maßnahme zur Prävention.

Allerdings ist es bei vielen Menschen so, dass sie gerade dann, wenn es in ihrem Leben viele „rote Einheiten“ gibt, anfangen, bei Ressourcen zu sparen: Sie gehen nicht mehr zum Sport, treffen sich nicht mehr mit Freunden, gönnen sich nichts mehr.

Genau dann sollte bei Ihnen die rote Alarmlampe aufleuchten. Denn wenn wir ressourcenmäßig bald auf dem Zahnfleisch gehen, werden wir angreifbar. Gerade in stressigen Zeiten sollten Sie darauf achten, sich wenigstens kleine Genussinseln zu schaffen – und diese dann auch wirklich bewusst zu genießen.

Achten Sie möglichst auf Ausgeglichenheit von Stressoren und Ressourcen (Energie-Verbrauch und Energie-Aufladung)!

Was das für Führung und Fehlzeiten bedeutet

Wer als Führungskraft den eigenen Stress besser steuert, bleibt klarer im Kontakt, verlässlicher in Gesprächen und wirksamer in der Führungsrolle. Genau das stärkt Vertrauen, Bindung und Echte Anwesenheit im Team.

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