Diese Charta für gesunde Unternehmen entstammt dem Buch "Führung und Gesundheit" und soll Denkanstöße für eine wertschätzendere Unternehmenskultur geben.

Die Charta „Der gesunde Betrieb“

Im Folgenden habe ich exemplarisch die Punkte zusammengestellt, die ich für wichtig halte im Rahmen einer gesunden wertschätzenden Unternehmenskultur. Etwas ambitioniert habe ich mir erlaubt – da vielen unter Ihnen der Begriff aus Gesundheitskontexten bekannt sein dürfte –, diese Auflistung „Charta“ zu nennen. Und ich würde mich freuen, wenn sie Sie dabei unterstützt, über das Thema „Führung und Gesundheit“ miteinander ins Gespräch zu kommen. Sie ist entnommen aus dem Buch Führung und Gesundheit.

Ich weiß: Diese Charta passt nicht für alle Unternehmen. Manche haben keinen Betriebsrat, manchmal ist der Inhaber zugleich einzige Führungskraft, viele kaufen ihre Arbeitsschützer extern ein. Und vermutlich können Sie auch nicht jeden einzelnen dieser Sätze vollen Herzens unterschreiben. Das macht nichts. Suchen Sie sich die Punkte aus, die auf Ihren Betrieb passen und/ oder die Sie gut finden. Dann sollten Sie die übrig bleibenden allerdings tatsächlich unterschreiben, und zwar möglichst jede/r. Diskutieren Sie die Punkte!

Denkanstoß …

Die „do care!®-Charta“ ist als Denkanstoß gedacht. Sie können die Datei mit dem Text kostenlos bei mir anfordern und nach Belieben kürzen, erweitern oder sonst wie verändern (dann sollten Sie fairerweise dazuschreiben, dass das Original einen anderen Wortlaut hat), in Ihrem Betrieb aufhängen, auf Personalversammlungen völlig umstellen oder in Abteilungsmeetings daraus Schiffchen basteln. Aber ich würde mich freuen, wenn diese Charta in Ihrem Betrieb etwas in Bewegung bringt. Vielleicht haben Sie auch Lust, mir davon zu berichten. Das würde mich sehr freuen!

Hauptsache, in Ihrem Unternehmen kommt etwas in Gang. Sobald sich Menschen in Betrieben zusammensetzen, um über das Thema „Führung und Gesundheit“ zu sprechen, selektieren sie sich nach meiner Erfahrung ohnehin schon ins „Pöttchen der Guten“. Die, bei denen es wirklich krankt, wagen nicht, das Thema auf die Agenda zu setzen. Oder höchstens aggressiv durch Vorwürfe oder Forderungen, wie etwa: „Der macht uns die Leute kaputt, der muss weg!“ oder „jetzt müssen Köpfe rollen!“ Dass aus solchen Forderungen selten ein wertschätzendes Miteinander resultiert, liegt auf der Hand.

 

DIE do care!®-CHARTA ZUM “GESUND-FÜHREN”

Wir alle

  • Wir haben alle dieselben Ziele, nämlich den wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens, ein hohes Ansehen bei unseren Kunden und eine Erhaltung unserer Arbeitsfähigkeit bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters – all dies ist nur möglich, wenn wir ein gesundes Miteinander pflegen und auf einander und uns selbst gut acht geben (do care!).
  • Wir bemühen uns um ein wertschätzendes Miteinander, das geprägt ist von Toleranz, Respekt und echtem Interesse am anderen Menschen. Wir sind großzügig mit positivem Feedback, weil wir wissen, dass es uns allen gut tut und die Zusammenarbeit erleichtert. Darum richten wir unser Augenmerk primär auf das, was gut läuft.
  • Wir erinnern einander in belastenden Zeiten an Erfolge aus der Vergangenheit. Wir wissen, dass wir gemeinsam schon schwierige Situationen bewältigt haben, und wir sind stolz darauf. Das schweißt uns zusammen und macht uns stark für die Zukunft.
  • Wir unterstellen einander zunächst stets die beste Absicht und vertrauen einander. Frühestens nach drei aufeinander folgenden negativen Erfahrungen dürfen wir dem anderen mit Misstrauen begegnen. Wir wissen, dass wir in jedem Fall besser das direkte Gespräch suchen.
  • Auf negatives Feedback reagieren wir mit Zuhören und Selbstreflexion. Bei Konflikten verpflichten wir uns, uns zu fragen: Wozu macht der andere das, was sind seine Bedürfnisse? Wir wissen: Konfliktlösung fällt leichter, wenn man sich in den anderen hineinversetzt.
  • Wir gehen davon aus, dass unser Unternehmen stolz auf uns ist. Und wir sind stolz auf unser Unternehmen. Das merken auch Außenstehende, wenn wir über unseren Betrieb sprechen.
  • Wir verpflichten uns, einen guten Job zu machen – das ist wichtig für das Unternehmen, aber auch für unser Image bei den Kolleginnen und Kollegen und vor allem für unsere Selbstachtung.
  • Wir sagen zu, dass wir auf unsere Gesundheit achten und sie pflegen. Wir haben das Recht und die Pflicht (um gesund zu bleiben), Überlastungen anzuzeigen, ohne dafür soziale Ächtung fürchten zu müssen.

 

Wir Geschäftsführende und Vorstände

  • Wir verpflichten uns, krankmachende Arbeitsbedingungen und arbeitsbedingte Ursachen krankheitsbedingter Fehlzeiten beseitigen.
  • Wir verzichten auf die Aufnahme der Fehlzeiten-Reduzierung in die Zielvereinbarungen unserer Führungskräfte.
  • Wir unterstellen allen die beste Absicht und den festen Willen, einen guten Job zu machen. Klagen und Überlastungsanzeigen nehmen wir Ernst.
  • Wir streben an, die Gemütslage unserer Beschäftigten verbessern und damit psychischen Erkrankungen vorzubeugen.

 

Wir Führungskräfte

  • Wir leben die 6 Dimensionen gesunder Führung. Das heißt konkret: Wir sind großzügig mit dem Geben von Anerkennung, wir interessieren uns für den Menschen im anderen und haben ein Auge auf sein Befinden, wir beziehen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ein, wir führen durchschaubar, wir bemühen uns um ein gutes Klima, und wir unterstützen unsere Beschäftigten beim Belastungsabbau und Ressourcenaufbau.
  • Wir geben Feedback für gute wie für schlechte Leistung, mindestens im Verhältnis 3:1 und stärken unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Rücken. Wir stellen uns vor sie und verteidigen sie gegebenenfalls gegenüber der Geschäftsleitung und dem Kunden.
  • Wir begrüßen Beschäftigte nach möglichst jeder Abwesenheit. Wir wissen, dass wir bei Krankmeldungen kein Anrecht auf Nennung der Diagnose haben, und versprechen, nicht beleidigt zu reagieren, wenn uns bei Abgabe des gelben Scheins keine Diagnose genannt wird. Im Falle arbeitsbedingter Ursachen der Erkrankung bemühen wir uns um Abhilfe.
  • Wir wissen, dass der Krankenstand von vielen verschiedenen Faktoren abhängt – und dass einer davon das Führungsverhalten ist. Wir verpflichten uns daher zur Selbstreflexion hinsichtlich der Gesundheitswertigkeit (bzw. des Kränkungspotenzials) unseres Führungsverhaltens.

 

Wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

  • Wir wissen, dass wir die Verantwortung für unsere Gesundheit nicht nur dem Unternehmen übertragen können. Wir bemühen uns darum um Erhaltung und Förderung unserer Gesundheit und Arbeitsfähigkeit.
  • Wir haben jederzeit das Recht, Verbesserungsvorschläge zu machen und auch Lob und Kritik anzubringen; ebenso haben wir ein Recht darauf, Feedback für unsere Leistung einzuholen.

 

Wir Personen in Schlüsselfunktionen

  • Wir fühlen uns mitverantwortlich für die psychosoziale Gesundheit aller Beschäftigten unseres Unternehmens. Durch konstruktive Gespräche tragen wir unseren Teil dazu bei, diese zu erhalten und zu fördern.
  • Wir haben vor diesem Hintergrund das Recht und die Pflicht, die Geschäftsführung auf Missstände und Verbesserungspotenziale hinzuweisen, die uns aufgefallen oder durch Beschäftigte zu Ohren gekommen sind. Für die Beseitigung der Missstände bieten wir unsere Unterstützung an.
  • Wir wissen, dass arbeitsbedingte Erkrankungen auch im psychosozialen Bereich ihre Ursache haben können, und achten darauf.
  • Wir ermutigen die Beschäftigten, uns auf psychosoziale Fehlbelastungen hinzuweisen, aber auch positive Entwicklungen zu berichten. Wir wahren bei allen Informationen den Schutz der Anonymität, wenn die Beschäftigten dies wünschen.
  • Wir ermöglichen Weiterbildung, denn wir wissen: Je mehr wir in unsere Beschäftigten investieren, desto wertvoller werden sie für uns.
  • Wir bieten Weiterentwicklungsmöglichkeiten auch mit dem Ziel der psychosozialen Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung an.
  • Wir verpflichten uns, Aufträge abzulehnen, die auf eine systematische Erfassung sensibler Krankendaten von Beschäftigten hinauslaufen.