Meine persönliche Geschichte von „do care!“

Die kleine Geschichte von “do care!“ 

Wie ich wurde, was ich bin.

Die 7 Etappen:

Dass mein kleines Unternehmen „do care!“ heute – nach 17 Jahren – so gut da steht, konnte keiner ahnen. Es ist das Ergebnis von enorm viel Fleiß, einer fundierten Ausbildung, etlichen Beratungsstunden bei guten Coachs, einem Quäntchen Glück – und sehr viel Leidenschaft für den Menschen und seine Gesundheit im Betrieb. Wie Sie gleich lesen werden, war nicht immer alles so golden wie jetzt …

1972

„Na, du bist ja ein glückliches Kind!“

Wissen Sie noch, wie Sie zu Ihrem späteren Beruf gefunden haben? Bei mir ging das so: Als ich 4 Jahre alt war, nahm meine Mutter mich einmal mit zum Einkaufen. Im Rahmen einer besonderen Aktion durfte sich in dem Geschäft jedes Kind ein Sparschwein aussuchen. Als die Verkäuferin nach meiner Lieblingsfarbe fragte, strahlte ich sie an und rief laut: “GELB!” Sie gab mir lachend ein gelbes Sparschwein und meinte: “Na, du bist ja ein glückliches Kind!” Seitdem beschäftigte mich die Frage, wie die Frau aus meiner Lieblingsfarbe auf meine Persönlichkeit schließen konnte (und recht hatte sie übrigens auch) …

Das war meine erste Konfrontation mit der Psychologie, und es sollte nicht die letzte bleiben. Im Studium und während meiner Praktika ging es häufig darum, wie man Krankheiten verhindern oder heilen kann. Viel spannender fand ich – als „glückliches Kind“ – die Frage, wie man Wohlbefinden verbessern kann. So entdeckte ich meine Leidenschaft für die Gesundheitsförderung. Die Psychologie kann viel dazu beitragen, dass Menschen sich wohler fühlen in ihrem Leben, nicht nur privat, sondern auch beruflich. Das sollte mein Lebensziel sein: das Wohlbefinden von Menschen in Betrieben zu verbessern.

1995

„Auf dich haben die gerade gewartet!“

Haben Sie diesen Satz auch schon einmal gehört? Dann können Sie sich vermutlich vorstellen, wie es mir ging, als ich ihn hörte. 1995 – fast 20 Jahre ist das schon her, meine Güte! – erzählte ich Leuten in meiner direkten Umgebung davon, dass ich Menschen in Betrieben dabei unterstützen möchte, gesund zu bleiben. Dass das meine berufliche Lebensaufgabe sein sollte. Schließlich verbringen die meisten ja 8 Stunden des Tages mit Arbeit; und während dieser Zeit sollten sie sich so wohl fühlen wie möglich, denn dann stimmt auch die Leistung. Ich war damals sehr von der Idee begeistert, und bin es ja auch heute noch.

Damals hatte ich ein „Programm zur Stressbewältigung und Gesundheitsförderung“ entwickelt (in meinem Buch „Selbständig als Gesundheitspsychologin“ berichte ich darüber) und war ganz sicher, dass die Betriebe es mir aus der Hand reißen und mich sofort einstellen würden; schließlich zeigte ich damit ja, wie wichtig mir das Thema „Gesundheit im Betrieb“ war. Doch weit gefehlt … Als ich also dieses Programm voller Stolz lieben Menschen um mich herum zeigte – mit Herzklopfen und roten Wangen, jedenfalls ganz aufgeregt – da erntete ich genau diese Reaktion. Jemand, der mir sehr nahe stand und steht, sagte: „Auf dich hat die Welt nur gewartet!“ Das war wie ein Schuss vor den Bug. Ich weiß nicht mehr, wie ich in der Situation reagiert habe. Aber dass es mich sehr getroffen hat, weiß ich noch genau. Und dass ich dachte: „Dir werd’ ich’s zeigen!“

Tatsächlich war es so, dass derjenige erst einmal Recht behalten sollte: Niemand wollte mein Programm kaufen oder mich einstellen. Ich hatte damals noch gar kein Diplom, sondern habe das Programm in der Wartezeit geschrieben; und heute verstehe ich auch, warum es damals niemand wollte. Nur die Lufthansa wollte mich einfliegen lassen, weil sie es so süß fand, was mich wiederum sehr beeindruckt hat … Dazu fehlte mir dann aber doch der Mut, und ich habe gekniffen, verrückterweise (und so freut es mich umso mehr, dass ich 2014 einen Vortrag zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement für die Lufthansa halten durfte).

Ich musste also ein paar Umwege gehen (Festanstellung, Psychotherapeuten-Tätigkeit, freie Mitarbeit in einer Unternehmensberatung), bin aber meinem Ziel treu geblieben: die Gesundheit von Menschen in Betrieben zu verbessern. Ich habe mich einfach nicht unterkriegen lassen. Und heute würde ich sagen: Es hat sich gelohnt. Aber vorher galt es noch ein paar weitere Klippen zu umschiffen.

1997

„Junge Frau, das wird niemals ein Thema!“

Ende der 90er war ich auch häufige Besucherin der Messen „arbeitsschutz aktuell“ und A&A (für Nicht-Arbeitsschützer: Messe für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Düsseldorf). Auf der Suche nach potenziellen Kunden wanderte ich – damals noch ganz zu Beginn meiner freiberuflichen Selbständigkeit – von Stand zu Stand, vor allem in der Halle mit der Überschrift „Prävention“. Ab und zu nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und sprach die (weit überwiegend männlichen) Menschen an mehreren Ständen an: Beschäftigte würden ja nicht nur aufgrund von Unfällen krank, sondern auch aufgrund von Stress und schwierigen Beziehungen zu Vorgesetzten; und was sie denn dazu im Angebot hätten. Die Reaktion war stets die gleiche: „Junge Frau! Wir kümmern uns um Arbeitsschutz! Verletzungen, Vergiftungen, Stolperunfälle. So etwas wie Stress ist viel zu schwammig. Das kann man nicht sehen und nicht messen. Das wird niemals ein Thema für den Arbeitsschutz.“

Heute wissen wir es besser … Seit Oktober 2013 sind Unternehmen verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, die auch psychische Belastungen erfasst. Die Seele hat Einzug gehalten in die Betriebe – bzw. sie war ja immer schon da, aber nun wird sie endlich zur Kenntnis genommen. Und mit dem Anstieg psychischer Erkrankungen werden auch wir Gesundheitspsychologen und anderen Beraterinnen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement immer wichtiger. Aber das war damals noch nicht so klar.

1998

„Ich weiß wirklich nicht, wie du jemals einen Fuß in Unternehmen bekommen willst!“

Auch während meiner Arbeit als approbierte Psychotherapeutin trieb mich die Frage um, was Menschen gut tut und wie sie sich auf dieser Welt und in diesem Leben noch wohler fühlen können – was sie kränkt oder krank macht, fand ich weit weniger spannend als die Frage, was ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit fördert. Antonovsky und seine Idee von der Salutogenese (wie entsteht Gesundheit?) hat mich sehr fasziniert. Die therapeutische Tätigkeit war spannend, aber ich wollte ja in Betriebe. Mein damaliger Lebenspartner meinte mit Blick auf meine Arbeit, er sähe nicht, wie ich je einen Fuß in Betriebe bekommen wolle. Und wieder mal nahm ich so eine demotivierende Aussage als Ansporn – und beschloss, die Ausbildung zur Stressbewältigungstrainerin bei Professor Gert Kaluza zu durchlaufen und danach Kurse an der Volkshochschule zu geben.

Schon nach dem ersten Kurs rief plötzlich die Mitarbeiterin eines großen Unternehmens an und fragte, ob ich nicht bei ihnen am Gesundheitstag 5 Vorträge über Stress halten könnte. Zwei Wochen lang bastelte ich an dem Konzept, es wurde ausgewählt – und plötzlich war ich in der freien Wirtschaft tätig. In diesem Unternehmen durfte ich später auch die ersten Seminare zu „meinem“ Thema durchführen: Gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung. Und nachdem eine Evaluation über 15 Seminare wundervolle Ergebnisse erbracht hatte, ging es richtig los. Viele weitere Unternehmen kamen hinzu (siehe Referenzen), die meisten davon allerdings erst nach 2006, wie Sie gleich sehen werden. Jedenfalls: Ich war „drin“, und zwar mit weit mehr als nur einem Fuß …

2003

„do care!“ – Ein Buch muss her! Und ein Lehrauftrag …

Meine Existenzgründungsberaterin sagte zu mir: „Schreiben Sie ein Buch!“ Ich hatte mich immer schon coachen lassen, weil ich noch von meiner therapeutischen Tätigkeit wusste: Profis brauchen Profis als Berater, zur Reflexion, zur Unterstützung, als Kritiker, als Spiegel – einfach um zu wissen, wo man steht und wo man hin will. Aber die Idee mit dem Buch kam mir zunächst absurd vor, weil ich mich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht als Expertin sah. Aber natürlich hatte sie Recht: Ein Buch macht einen zum Experten – und erfreulicherweise fand ich beim Universum-Verlag auch prompt offene Ohren. (Falls es Sie interessiert: Das Buch ist heute als pdf-Datei kostenfrei zugänglich, und zwar hier.)

Und ich bekam einen Lehrauftrag (bis heute)! Das Seriöse daran (gibt es etwas Seriöseres als einen Lehrauftrag an einer Universität?) war mir als deutscher Beamtentochter ganz besonders wichtig. Noch heute freue ich mich jedes Mal, und es macht mich immer wieder stolz, wenn ich für Behörden und Ministerien arbeiten darf und ein Bundesadler auf den Vertragsunterlagen zu sehen ist … Und dass ich 2013 Co-Autorin werden durfte für das eLearning-Tool von INQA / PsyGA (und damit auch fürs Bundesarbeitsministerium) – „Förderung psychischer Gesundheit als Führungsaufgabe“ – hat mich auch riesig gefreut.

2006

„Wir strukturieren uns gerade um!”

Im Jahr 2006 lernte ich die Tücken der Selbständigkeit kennen. Ein Seminar reihte sich ans nächste, aber meine Kolleginnen und ich waren hauptsächlich für ein einziges riesiges Unternehmen tätig – mit großem Erfolg; aber als dieses Unternehmen sich umstrukturierte, änderten sich auch die Zuständigkeiten. Und welcher Personalentwickler oder HR-Mensch findet schon gut, was sein Vorgänger auf die Schiene gebracht hat? Die Folge war, dass die Aufträge durch dieses Unternehmen drastisch zurückgingen. Was das für uns bedeutete, können Sie sich bestimmt vorstellen. Eine meiner Konsequenzen war: Ich habe auch umstrukturiert, und zwar im Sinne eines breiteren Kunden-Portfolios, damit mir nie wieder dieser typische Selbständigkeits-Anfänger-Fehler unterlaufen konnte … Fortan bekam jeder Kunde nur noch 2 Seminartermine pro Jahr.

Das Seminargeschäft – verbunden mit seiner Reiserei und den zahlreichen Auswärtsübernachtungen – erwies sich ohnehin als anstrengend und nicht kompatibel mit meinem Privatleben, so dass ich fortan umsattelte auf Vorträge. Und damit das Seminar, das ja so wunderbar lief, auch weiterhin unters Volk kam, gab ich den Trainerleitfaden dazu als Buch heraus, so dass fortan jeder Mensch dieses Seminar geben konnte, der es sich zutraute. Zugleich entwickelten meine Kolleginnen eine Train-the-Trainer-Ausbildung zu dem Seminar. Wer diese Ausbildung komplett durchlaufen hat, kann sich auf meiner Website in die Liste der Trainer/innen aufnehmen lassen. Mittlerweile sind es schon über 100 ausgebildete Trainer/innen. Und im September platze ich jedes Mal vor Stolz, wenn ich wieder neue Zertifikate verteilen darf …

2015

100 ausgebildete Trainer/innen, 30 Bücher, 40 eBooks, 14 Online-Kurse …

Mittlerweile steht mein kleines Unternehmen wieder auf festen Füßen. Es kommen deutlich mehr Anfragen herein, als ich annehmen kann – so dass ich dankbar bin, diese Aufträge an die 3 Kolleginnen und die ausgebildeten Trainer/innen weitergeben zu können. In der Zwischenzeit habe ich auch so viele Bücher, eBooks, eLearning-Tools, Online-Kurse etc. veröffentlicht, dass die Schreibtischarbeit langsam anfängt, sich zu lohnen.

Bis Ende 2015 halte ich noch selbst Vorträge über Gesundes Führen, zum Beispiel bei Kick-Off-Veranstaltungen für Betriebliches Gesundheitsmanagement – und sehr gern auch zu der Frage, wie sich Führungskräfte überhaupt für dieses Thema (oder überhaupt für “Psych”) gewinnen lassen oder worauf man beim BGM achten sollte. Ab 2016 gibt es von mir keine Live-Vorträge mehr – ich habe mein Geschäft umgestellt auf Schreibtischarbeit.

Heute denke ich, dass ich genau an diesen wiederholten Hindernissen gewachsen bin und noch fester mit dem Thema „Gesundheit im Betrieb“ verbunden bin als je zuvor. Weil meine Eltern mir so viel Geborgenheit und Glück mitgegeben haben, hatte ich die Kraft, diese Stolpersteine zu überwinden. Ab und zu bekomme ich tatsächlich eMails von Menschen aus Betrieben, die schreiben: „Wir brauchen Sie!“ Oder im Jahr 2013: „Wir warten auf Sie auch bis 2015“. Und dann musste ich grinsen und dachte mir: „Wenn ich da in 2015 zum Vortrag anreise, kann ich sagen, die haben auf mich gewartet.“

Die schönsten Komplimente sind für mich Sätze von meinen Kunden wie: „Ihre Bücher sind immer so direkt aus der Praxis“, „Wir sind alle mit dem ‚Matyssek-Virus’ infiziert“ oder „An Ihnen kommt man ja beim Thema ‚Gesund Führen’ nicht vorbei“ (diesen Satz habe ich schon 6mal genau so gehört). Das zeigt mir, ich habe es trotz der Stolpersteine geschafft, mir im Betrieblichen Gesundheitsmanagement einen Namen zu machen.

Da ich weiß, dass längst nicht alle Menschen so gute Startbedingungen in ihre Selbständigkeit haben, sehe ich eine meiner Aufgaben darin, mein Wissen über Gesundheit im Betrieb (und über die Selbständigkeit im Betrieblichen Gesundheitsmanagement) weiter zu geben. Den Anfang machte diese kleine Geschichte von „do care!“ – und das bisherige „Ende“ sind die Video-Kurse für Selbständige im Gesundheitsbereich

Ich hatte auch immer gute Coaches, von denen ich viel gelernt habe – und nun ist es an der Zeit, andere Menschen in diesem Bereich zu unterstützen. Daran arbeite ich …

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