Dorle und die Luft nach oben – Wie man richtig lobt
Dorle berichtet aus der Spielgruppe. Da fragt gestern der Kevin die Rosalie: „Und, wie hab ich das gemacht mit dem Aufräumen?“ Und die Rosalie hat genickt und gemeint: „Gar nicht so schlecht.“ Das habe den Kevin aber gar nicht gefreut.
Gar nicht so schlecht – das hört sich doof an.
Frau Doktor klärt Dorle auf, dass die Rosalie vermutlich ein Lob aussprechen wollte. „Ein Lob – das heißt zum Beispiel: ‚gut gemacht’.“ – Das versteht Dorle nun überhaupt nicht: warum jemand „gut“ meint, aber „gar nicht so schlecht sagt“. Und dass es bei Erwachsenen häufiger vorkomme, dass sie solch ein indirektes Lob bekämen, macht ihr keine Lust aufs Erwachsenwerden … „Dann will ich lieber nicht erwachsen werden, wenn dann keiner mehr zu mir sagt: Dorle, das hast du super-toll gemacht!“ Dorle erfährt, dass „super-toll“ ein echt dickes Lob bedeutet …
Wieso ein dickes Lob? Gibt’s auch ein schlankes Lob? Hat das dann abgenommen?
In Betrieben ist ein „schlankes Lob“ die Regel, meint Frau Doktor. Und erzählt von einer Firma, in der ein Mitarbeiter vom Chef den Auftrag bekam, die Halle zu kehren. Der Mann führte zwar den Auftrag aus, aber anschließend blieb er für zehn Tage zu Hause. Was war passiert? Der Mann war beleidigt, weil er fand, das Halle-Kehren sei ein Job für Azubis, aber nicht für ihn als lang-gedienten Mitarbeiter. „Und wieso hat der Chef nicht den Azubi gefragt, ob der die Halle kehrt?“ Weil der Chef 100% sicher sein wollte, dass die Halle danach blitzblank ist. Es sollte nämlich eine neue teure Maschine geliefert werden. Da wollte der Chef auf Nummer sicher gehen und erteilt den Auftrag seinem besten Mann.
Hat der dem das schon mal gesagt, dass der sein bester Mann ist?
Nein … Wie Frau Doktor berichtet, hatte der Chef NIE etwas in diese Richtung verlauten lassen. Und als er darauf angesprochen wurde, meinte er: „Das weiß der doch von selbst, dass der mein bester Mann ist!“
Neee, das weiß keiner von selber. Das muss der Chef doch SAGEN!
Und da hat sie wieder mal Recht. Frau Doktor meint, Chefs hätten oft Hemmungen, die wollten sich nicht einschleimen, und deshalb ließen sie das mit dem Loben lieber gleich sein. Manche Chefs sagen: „Super! Aber da ist noch Luft nach oben!“ Das ist auch kein Lob, denn der Mitarbeiter erinnert sich später nur daran, dass der Chef gesagt hat: „Das hättest du auch besser machen können.“
Wie lobt man denn richtig? Und ohne schlankes Lob? Und ohne Schleimen?
Ganz wichtig: Eine Begründung liefern („Das haben Sie ja sehr schnell erledigt. Das freut mich, denn jetzt kann ich gleich dem Kunden Bescheid geben“), das befreit von Schleimverdacht. Und andere Wörter finden als immer nur „Das haben Sie GUT gemacht“. Und man kann den Mitarbeiter selber fragen: „Wie sind Sie selbst zufrieden?“ Und wenn der dann sagt „Tja, nicht schlecht“, dann kann man das bestätigen und rückmelden „Ja, ich finde auch, das ist Ihnen echt gelungen, weil …“.
Soll denn bloß der Chef loben? Oder dürfen die Leute den auch zurückloben?
Na klar, wenn das Verhältnis stimmt, dann ist Lob keine Einbahnstraße, sondern geht in beide Richtungen. Und auch Kollegen unter einander können und sollen anerkennende Worte für einander finden. Damit die Arbeit noch mehr Freude macht.
Dorle kann’s wieder mal nicht lassen: Als Frau Doktor sich verabschiedet hat, zeigt sie den Zuschauern die Klima-Kiste (eine “Materialien-Sammlung zur Förderung der psychosozialen Gesundheit durch mehr Wertschätzung im Betrieb”). Das hätte sie eigentlich noch gar nicht gedurft, denn die Klima-Kiste ist noch gar nicht fertig. Aber Dorle ist halt nicht zu stoppen
Es gibt natürlich auch einen seriösen Text zum Thema “Lob und Anerkennung schenken“.






