Dorle und das Loch im Bauch


Dorle erzählt stolz ihrer Frau Doktor: „Du, ich hab für dich gewerbt“ – „Du hast was?“ – „Ich hab den Leuten neulich noch von deiner Fehlzeitenbox erzählt, da hab ich für dich gewerbt“ – „Geworben. Das ist lieb von dir. Aber ich will doch hier keine Werbung machen“ – „Aber ich!“ Das freut die Frau Doktor natürlich irgendwie ;-)

Heute hat Dorle Fragen über Fragen. „Sag noch mal: Warum nimmst du die ganzen Filme mit mir auf?“ fragt Dorle ihre Frau Doktor. Und die antwortet: „Weil du so kluge Sachen sagst, die manchmal lustig sind – und ich finde, das sollten die Leute in den Betrieben hören, wie du Dinge auf den Punkt bringst.“ – „Was für Dinge?“ – „Na, zum Beispiel wie du immer wieder sagst, der Kevin in deiner Spielgruppe räumt immer nur dann gerne auf, wenn er merkt, dass eure Leiterin Rosalie den gern mag. Das ist genau dasselbe wie in den Betrieben, für die ich arbeite. Ich gebe ja den Chefs in den Betrieben Tipps, wie die Leute gesund bleiben und gern arbeiten.“

Und die bleiben gesund und arbeiten gern, wenn die merken, dass man die mag?

„Genau. Bei vielen ist das so.“ Führungskräfte tun sich häufig schwer, Anerkennung auszudrücken – obwohl die meisten Menschen am Arbeitsplatz regelrecht danach gieren. Aber die Chefs haben Angst, dass die Leute dann die Hände in den Schoß legen („nicht mehr aufräumen, sondern an sich rumspielen?“) oder dass die dann eine Belohnung wollen („Schokokekse?“). Also sind sie eher zurückhaltend mit anerkennenden Äußerungen und mit dem Ausdrücken von Wertschätzung.

Die Chefs haben den Anerkennungsgeiz-Virus! Der ist Aaansteckend!!!

Das Knifflige daran ist, dass die Führungskräfte oder auch Kollegen sehr wohl die Wertschätzung empfinden – sie äußern sie bloß nicht freiwillig. Dazu brauchen sie manchmal Anstöße von Leuten, die nicht zum Betrieb gehören. „Und die bringen die Wertschätzung mit?“ – „Ja auch, aber im Grunde ist die schon da! Die Leute verstecken sie bloß!“

Die Wertschätzung ist schon da! Die braucht man nicht mitbringen. Man muss sie bloß entdecken.

Exakt. Die meisten Menschen mögen ihre Kollegen, und sogar ihre Chefs. Sie wagen bloß nicht, das zu zeigen. Sie denken, das passt nicht zu ihnen. Oder die anderen könnten lachen. Oder sie könnten sich sonst wie lächerlich machen. Oder die anderen hätten dann plötzlich keine Lust mehr zu arbeiten („hä?! das ist doch Unsinn!“). „Und du hilfst also den Menschen, dass die sich mehr trauen, das den anderen zu zeigen?“ – „Genau. Ich unterstütze die dabei, dass sie die Wertschätzung, die sie ja eigentlich empfinden, auch wirklich zeigen.“

Das ist eine schöne Arbeit: Wertschätzung ent-decken zu helfen.

„Woher weißt denn du das alles, was in deinen Büchern steht?“ fragt Dorle. Und Frau Doktor erzählt darauf hin, in wie vielen Betrieben sie schon gearbeitet hat – und das sind soooo viele, dass Dorle sich schließlich die Ohren zu hält. Und dann stellt sie eine ganz heikle Frage – und Frau Doktor muss erst einmal schweigen und überlegen ;-)

Kann man denn Menschen anders machen an 1 Tag?!

Dorle erfährt, dass so ein Tag nur Anstöße geben kann. Und dass er die Haltung der Leute („ah, den BLICK aufs Gute!“) stärken kann. Und er kann ihnen Mut machen und es ihnen erleichtern, ihre Wertschätzung stärker zu zeigen.

Aber eigentlich kann die Wertschätzung nicht von außen kommen. Die müssen die Leute schon selber zeigen. Du kannst denen bloß zeigen, wie.

Jawohl. Und als Dankeschön schenkt Dorle der Frau Doktor ein Buch mit dem Titel „Führung und Gesundheit. Ein praktischer Ratgeber zur Förderung der psychosozialen Gesundheit im Betrieb“. Und Frau Doktor tut so, als würde sie sich darüber waaaahnsinnig freuen. Dann möchte Dorle wissen:

„Hast du keine Pillen gegen den Hektikvirus? So ein paar ganz kleine süße?“ – „Dorle, heute fragst du mir echt ein Loch in den Bauch?“ – „Echt, hast du Hunger?“

Vielleicht meint Dorle Schokolade? Schoko-Pillen hat Frau Doktor noch (!) nicht im Angebot. Keine Pillen gegen den Hektik-Virus oder die Nicht-Abschalten-Können-Krankheit oder gegen den Anerkennungsgeiz-Erreger. Aber immerhin ist sie dabei die Klima-Kiste für mehr Wertschätzung im Betrieb zu entwickeln, und außerdem das Wertschätzend-Führen-Ding (Tipps, Ideen und Anregungen zur Etablierung eines wertschätzenden Führungsstils im Betrieb). Das ist ja schon mal ein Anfang … Und die Schoko-Pillen kommen ja vielleicht noch :-)

Zum Schluss schenkt Dorle ihrer Frau Doktor ein Buch (“Führung und Gesundheit. Ein praxisnaher Ratgeber zur Förderung der psychosozialen Gesundheit im Betrieb“. Dorle ist sicher: “Das wird dir eine große Hilfe sein” …

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