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Fastenzeit für Burnout-Gefährdete

In der Zeitschrift “chrismon” – Beilage der ZEIT und anderer Zeitschriften, herausgegeben von der evangelischen Kirche – wird in der Ausgabe 02.2012 auf die diesjährige Fastenaktion der evangelischen Kirche hingewiesen. Das Thema hat mich schwer beeindruckt: Es trifft genau den Nerv der Zeit, zumindest den Nerv der Arbeitswelt in unserer Gesellschaft. Der Titel lautet “GUT GENUG! – Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz”.

Der Text dazu heißt (ich zitiere ihn wörtlich von Seite 47 – besser kann das kein Mensch formulieren):

Zweisprachige Kleinkinder, Abitur mit 16, Karrierekick statt Seele baumeln lasen. Und kaum ist man beruflich und familiär etabliert, heißt es fit bleiben, jung und schön und allzeit lernbereit: Nie ist’s genug, wir treiben höher, weiter, schneller … Es ist gut genug, du bist gut genug! In der Fastenzeit dürfen Sie sich frei machen von falschem Ehrgeiz. Denn Christen wissen: Jenseits allen Werkelns hat der Mensch einen Wert an sich, ist lebens- und liebenswert.

Ich fand, damit wurde Wesentliches auf den Punkt gebracht, auch in Sachen Burnoutprophylaxe. Wie Sie wissen, entsteht ein Burnout in der Regel aus einem Zusammenspiel von äußeren Anforderungen und inneren Ansprüchen. Perfektionismus ist so ein innerer Anspruch und Antreiber: Perfektionisten können nicht gut (los-)lassen, sie strengen sich an und ver-über-ausgaben sich. Sie geben mehr, als in ihnen ist. Das sorgt vielleicht eine Zeit lang für anerkennende Worte und andere Meriten, aber langfristig laugt es aus – so lange, bis der Akku sich gar nicht mehr aufladen lässt.

In der Fastenzeit 7 Wochen lang gut auf sich selbst aufzupassen und sich zu fragen “MUSS das (so perfekt etc.) sein oder mache ich mir da gerade selber Stress?” – das kann ein guter Anfang sein, um den eigenen Ansprüchen wieder ein gesundes Maß zu geben.

Übrigens: Den Kalender zur diesjährigen Fastenzeit können Sie hier bestellen.

Es hat übrigens ein Weilchen gedauert, bis ich kapiert habe, was dieser junge Mann mit nassen Flügeln und nassem T-Shirt im See auf dem Cover verloren hat … Aber irgendwann hat’s Klick gemacht: Das ist Ikarus, der mit seinen Wachs-Flügeln zu nah an die Sonne kam (also einen zu hohen Anspruch an sich selbst hatte: zur Sonne fliegen), weshalb das Wachs schmolz und er ins Meer abstürzte. Also, er hat vielleicht sein Traumziel nicht erreicht, er ist gescheitert – er hatte die Erfolgsmesslatte für sich selbst ja auch wirklich recht hoch gehängt; aber er ist auch wieder aufgestanden, zumindest sieht es auf dem Cover so aus.

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