Das Betriebsklima: Fall-Beispiel
(erste Ergänzung zum Gesund-Führen-Podcast, Folge 16)
Achten Sie darauf, dass Sie nicht nur mit Ihren Lieblingen Spaß haben!
Warum Sie als Führungskraft (und Mensch aus dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement) das Betriebsklima unbedingt im Blick behalten sollen, haben Sie schon im Text „Das Betriebsklima ernst nehmen“ gelesen. Jetzt geht es um die Frage, was Sie tun können, um das Klima möglichst positiv zu beeinflussen.
Ein Fallbeispiel aus der Beratungspraxis
Der Teamleiter eines CallCenters rief mich an und erklärte im Briefinggespräch: Er habe vier Frauen im Team, „die bringen’s nicht“ und „die haben innerlich gekündigt“. Sie würden seine Zielvereinbarung gefährden (Tantieme …!) und das Klima im gesamten Team ruinieren. Ich fragte ihn, wie denn ansonsten das Betriebsklima sei, und er fing an, regelrecht zu schwärmen: Das sei super, sie hätten viel Spaß mit einander. Darauf hin fragt ich ihn: „Wie viele Leute haben Sie denn?“ Die Antwort: „12!“
Wie geht das denn? Ein Drittel hat innerlich gekündigt, und dennoch steppt der Bär? Da konnte etwas nicht stimmen. Der Mann kaufte mich für zwei Tage ein. Das war nett fürs Konto, aber eine halbe Stunde hätte vermutlich genügt. Jede/r konnte auf Anhieb sehen, was in dem Team schief lief: Der Teamleiter hatte in seinem Team zwei hübsche junge blonde Frauen. Mit denen flirtete er am laufenden Band. Die hatten Spaß. Dann gab es in dem Team noch sechs Männer. Auch die hatten Spaß, sie haben ihren Chef machen lassen und noch ein paar Witze beigesteuert. Es gab übrigens wirklich viel zu lachen, ganz ehrlich. Ich hatte auch meinen Spaß.
Aber dann gab es eben in diesem Team noch vier andere Frauen. Zum Teil mit anderer Haarfarbe, zum Teil etwas älter. Jedenfalls – mal wertfrei beschrieben – hatte der Teamleiter zwar auch zu diesen Damen Kontakt. Als Vorgesetzter musste er das ja sowieso. ABER: Die emotionale Qualität des Kontakts war eine fundamental andere: Wenn er mit diesen Mitarbeiterinnen sprach, waren seine Mundwinkel nach unten gezogen, seine Körpersprache ohne Spannung, seine Stimme tonlos.
Es war völlig klar, dass die 4 Frauen keine Lust hatten, sich für den TL ins Zeug zu legen – ebenso klar war, dass sie sich nicht persönlich bei ihm beklagt haben, etwa mit Worten: „Flirten Sie doch endlich mit mir, sonst fühl ich mich in meinem Selbstwertgefühl gekränkt.“ Dazu ist das Thema viel zu intim. Sie haben einfach weniger Leistung gebracht.
Was ist nun das Fazit aus diesem Fall?
Sie können als Führungskraft einen enormen Einfluss ausüben auf das Klima in Ihrem Team, insbesondere durch Gleich- oder Ungleichbehandlung. Achten Sie insbesondere auf die im Folgenden genannten Faktoren.

