Buchtipp fürs neue Jahr
… genauer gesagt: für alle, die in 2012 “gründen” wollen – oder die ihr Geschäft auf neue Beine stellen möchten. Es richtet sich meiner Meinung nach an grundsätzlich alle Unternehmerinnen und Unternehmer, und an solche, die es werden wollen.
Das Buch stammt von Svenja Hofert und trägt den Titel “Das slow grow-Prinzip. Lieber langsam wachsen als schnell untergehen” (GABAL-Verlag).
Es ist sooo erfrischend zu lesen, wie Frau Hofert (auch bekannt als Kämpferin für das bedingungslose Grundeinkommen und Autorin etlicher Karriereratgeber) Schluss macht mit dem, was werdenden Existenzgründern seit Jahrzehnten unhinterfragt auf sämtlichen Gründerveranstaltungen erzählt wird: “Macht einen Businessplan”, “Nehmt einen Kredit auf”, “Ihr müsst klotzen statt kleckern”.
Svenja Hofert ist anderer Meinung. Ihre Tipps lauten zum Beispiel: “Probieren Sie aus, bevor Sie planen!” (dann wird der Plan viel solider), “Sie brauchen Zeit” (statt Geld) oder “Finden Sie die Art von Selbständigkeit, die zu Ihnen passt!” (statt “Werden Sie eine Unternehmerpersönlichkeit”).
Sehr spannend fand ich auch die Auseinandersetzung mit der These “Entwickeln Sie sich” (statt “Spezialisieren Sie sich!”). Ich hab’s ja genau anders herum gemacht. Entsprechend der Engpasskonzentrierten Strategie nach Wolfgang Mewes habe ich meine Nische (Gesund Führen) besetzt. Alles richtig gemacht, zumindest auf den ersten Blick: Spezialistinnentum bringt schöne Aufträge, schöne Honorare und viel Schulterklopfen von Menschen, die keine Traute zur Spezialisierung hatten.
Svenja Hofert nun spricht sich gegen das Nischensuchen aus (wenigstens zu Beginn der Selbständigkeit). Zumindest warnt sie vor seinen Nachteilen – und ich kann diese aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Frau Hofert schreibt auf Seite 110: “Wer sehr speziell ist, muss viel reisen” – die Menschen wollen (nur noch) einen persönlich. Das mag nicht jede/r; mir zumindest war es oft zu viel. Und weiter: “Wer so spezielles Wissen hat, dass damit eine Art Gurustatus erzielt wird, kann auch leicht einsam werden … Spezialisierung engt auch ein … Zu starke Spezialisierung macht oft keinen Spaß mehr”.
Bevor es so weit kommt, meint sie, müsse man die Kurve bekommen, sich weiter entwickeln und verändern, damit man nicht aufgrund der hohen Nachfrage, die die Spezialisierung tatsächlich mit sich bringt, in eine Art Hamsterrad gerät und nur noch läuft und läuft und läuft. Hofert beschreibt 5 Phasen der Unternehmensentwicklung bei selbständigen Gründern:
Gründungsphase
Existenzsicherungsphase
Professionalisierungsphase
Hamsterradphase
Veränderungsphase
Mein Eindruck ist, ich habe es gerade so eben noch rechtzeitig geschafft, das Hamsterrad zu verlassen. Über diese 5. Phase schreibt Svenja Hofert (S. 218):
“Was nach der fünften Phase kommt, ist mindestens so toll wie der erste Auftrag. Mehr Zeit für Sie selbst, auswählen können, gefragt sein, ein Privatleben haben. Doch dieses Danach gibt es nicht geschenkt. Es kostet Zeit. Wer Zeit braucht, muss vielleicht auf Aufträge verzichten und eine Phase geringerer Einnahmen in Kauf nehmen. Oder eine ganz andere Lösung finden.”
Ich bin dabei … und ich wünschte, Frau Hofert hätte das Buch schon vor zehn Jahren geschrieben … Wirklich eine Empfehlung für alle, die sich selbständig machen wollen oder ihre Selbständigkeit umstrukturieren wollen. Es kostet 24,95 €.
Eine weitere Empfehlung ist natürlich das Buch “Selbständig als Gesundheitspsychologin“, aber das kennen Sie ja vermutlich schon. Es kostet 22,90 €, und Sie können hier eine aussagekräftige Leseprobe finden.
Das Buch “Selbständig als Gesundheitspsychologin” von Anne Katrin Matyssek können Sie hier bestellen.

